Als der Autor dieser Zeilen vor einigen Jahren in Tokyos “Electric Town” Akihabara erstmals scheinbar aus Mangas entkommene Plastikfiguren von partiell kurvenreichen Damen ansichtig wurde, nahm er das zur Kenntnis und vergas es mit der Zeit, doch einige Leute entwickeln beim Sammeln dieser “Damen” eine erstaunliche Energie, wie ich erstmals wieder bei Danny Choo, einem Blogger, der in Japan lebt, sehen konnte. Danny, der auch aus Tokyo Trooper die Straßen der Stadt unsicher machte, berichtete kürzlich von einem Sammler dieser Puppen aus Hong Kong, der diese zu Fotomodellen erklärte und durchaus effektvoll in Szene setzt.
Da ich ja auch ein Freund der Objektfotografie – was hier fast doppeldeutig klingt – bin, wenn man mich lässt, schrieb ich AIKO[ARAEL] einfach mal über flickr an und bat um einen kleinen Einblick in sein Hobby. Nach eigener Auskunft sammelt er diese horrend teuren Dollfie Dream Puppen seit einandhalb Jahren und fotografiert sie seit etwa einem Jahr. Dass er dabei nicht davor zurückschreckt, einen großen Aufwand zu betreiben, skizziert sein hier abgebildeter Aufbau. Das zweite hier vorgestellte Foto hat er übrigens vor einem Fernseher aufgenommen. Man muss nur auf die Idee kommen, dann ist es sehr simpel.
“Fragwürdig es ist”, hätte der alte Yoda wohl gesagt und mit seinem kleinen Stöckchen gewedelt – und wie so oft hätte er richtig gelegen, wie ich nach meinem Streetfotografie-Egoshooting unumwunden einzugestehen habe. Ich bin der Versuchung erlegen, fast unerkannt mit einem Leica Teleobjektiv an der Sony NEX-3 Passanten zu “erlegen”. Ich drücke es mal so drastisch aus, weil es das ja auch ist.
Ein erhebenes Gefühl ist es dennoch, den Schuss richtig angebracht zu haben, die Person ist eingefangen und wird mir nicht mehr entkommen. So banal der Augenblick ist, so alltäglich die Szene, sie hat etwas von der oft erwarteten Geschichte, die ein Bild erzählt. Ich aber fühle mich nicht gut dabei, wenngleich es eine Authenzität hat, die man schwer erreicht, wenn der fotografierten Person die Anwesenheit des Fotografen klar ist.
So verlockend es ist, so Bilder einzufangen, die in der schnellen und flüchtigen Welt der Knipserei viel Applaus finden, so sehr geht es mir im Rückblick gegen den Strich, ich bin nach meinem derzeitigen Dafürhalten dafür nicht gemacht. Menschen auf Bildern von Straßen mag ich, aber … Ich gehe aber auch nicht über rote Ampeln, wenn Kinder dabei sind …
Nachtrag: Auf G+ wurde ich gewiss nicht zu Unrecht darauf hingewiesen, dass man man schon besonders unterscheiden sollte, dass die “klassische” Streetfotografie sich eher Brennweiten zwischen 35 und 50mm bedient.
Jonker Burger hat dieses durchaus sehenswerte, vielleicht auch schon Begehrlichkeiten weckendes Bild der erwarteten Systemkamera von Fujifilm via flickr ins Netz gestellt. Natürlich bleibt vieles daran Spekulation, aber was die Apple-Fanboys können, sei auch den Normalsterblichen vergönnt. Mich würde ja vor allem die Lösung mit dem Sucher interessieren: gibt es einen echten Messsucher, wie bei Leica M8 und M9, wird es eine wie auch immer gerartete Lösung ähnlich der X100 oder wird es gar ein so enttäuschendes Durchguckfenster, wie es die X10 anbietet?
Auch die Fujifilm Klasse S ist neu in meiner Sammlung an Kameras – nach dem Verkauf einiger Stücke war wieder Platz für etwas, was ich schon lange begehrte. Nun hat die kleine und handliche Japanerin den ersten Film (Fujifilm Superia 1600, exp. 11/11) hinter sich und da es derzeit sehr früh dunkel wird, durfte sich sie auch gleich beweisen im NATURA-Modus, der die Fotografie bei vorhandenem Licht unterstützen soll.
Während ich also früher, vor nicht allzu langer Zeit, ein sichereres Gefühl hatte, wenn ich gerade bei Dunkelheit meine digitale Sigma DP1s dabei hatte, so stellt sich nach Sichtung der ersten Bilder aus der Klasse S eine gewisse Beruhigung ein. Man kann sich also auch bei Dämmerung und noch etwas später aus der Hand geschossen auf die Analoge verlassen. Vom Stativ her zu schießen, war keine Kunst, aber aus der Hand – ohne die Chance, zu kontrollieren, ob verwackelt oder nicht – das wollte ich mir nicht so recht zutrauen – bis jetzt.
Es mag ein ernüchternder, ein trockender Exkurs über Befindlichkeiten bei der Vollziehung von Selbstverständlichem sein, aber für den Autoren dieser Zeilen ist es doch *schluchz* eine bemerkenswerte Einsicht – gerade oder obwohl die analoge Fotografie bei viel Licht ihm nicht neu ist. Man kann es auch auf Punkt bringen: die Fujifilm Klasse S ist kein iPhone-Killer, sie ist eine ganz andere, eine geilere Liga als die ausgerufene Revolution der Point-and-shot-Fotografie. Wer das nicht versteht, sollte schauen, was die selbsternannten Meinungsführer zur Kamera des iPhone 4S bloggten …
Lange schon hatten wir es vor und nun wurde es Wirklichkeit – mein hochgeschätzter ehemaliger Kollege und ich zogen los zum Fotoschwenk, auch, um seine liebste Neuerwerbung X10 aus dem Hause Fuji den Gewalten der Natur, also es war sehr kalt am gestrigen Abend, auszusetzen. Von Ottensen führte unser kurzer Weg auf den Altonaer Balkon, von wo man einen wundervollen Blick über den reichlich beleuchteten Hafen hat. Weiter ging es runter zum Dockland, wo es offenbar auch dem eingeteilten Wachmann zu frostig war, um uns zu verscheuchen. Nach einigen Schüssen dort am Fluss brachen wir frierend ab.
Die Aufregung ist groß, denn Kodak ist nicht nur ziemlich pleite, wie man hier und da so liest, und stößt einzelne Sparten ab, auch scheint es eine drastische Ausdünnung des Film-Angebots zu geben. Schnell überflogene Nachrichten lassen den Eindruck entstehen, dass es Tmax 400 120, Tri-x pan 120 400, Elite Chrome 100/36, BW400cn/24, Gold 200/24, Max 400/12 und Max 400/24 nie, nie wieder geben wird. Und in der Tat stand da im Netz etwas von being discontinued.
Wirklich eingestellt wird aber nur der Elite Chrome 100-Kleinbildfilm, was ich ja schon schlimm genug finde, weil ich mir auf mittlere Sicht einen neuen analogen Urlaubsfilm für die Klasse S suchen muss. Die Firma Kodak teilt zur Einstellung auf ihrer Webseite mit:
Kodak stellt die Produktion des KODAK PROFESSIONAL ELITE Chrome 100 Films Ende 2011 ein.
Kodak wertet das Angebot von Profifilmen routinemäßig aus, um sicherzustellen, dass Kundenbedürfnisse erfüllt werden. Entscheidungen über Produkteinstellungen werden von Kundennachfrage und Absatz bestimmt.
Bei den anderen genannten Filmen ändert sich vorerst nur die Verpackungseinheit für den Handel, so wird es zum Beispiel den T-MAX 400 Rollfilm nicht mehr in der Einzelverpackung geben, was ob der bei Fotofreunden durchaus üblichen kleinen Bevorratung von Filmen noch hinnehmbar ist, wie ich meine.
Offenen Auges streifte ich erst neulich wieder durch das Internet, nahm vielerlei Verbrechen, menschliche Dummheit und auch Till Schweiger wahr, doch es gibt ja auch noch Schönes auf der Welt und Schönes gelingt Davis Ayer mit seiner Fotoreihe <time travel>, in der der Fotograf aus Austin, Texas Bilder auf Körper projiziert und diese dann in einem dunkel Raum fotografiert. Die Hamburger Sparkasse macht ähnliches mit angezogenen Menschen und Perlweiß-Lächeln in einer Kampagne – bei Ayer wird nicht gelächelt.
Mir wird ja schon immer warm uns Herz, wenn ich Fotos von Tokyo sehe und wenn ich gute Fotos von Tokyo sehe, dann juckt es mich, wieder nach Japan zu reisen und es auch zu versuchen, denn als ich in Japan war, genauer in Tokyo, da habe ich nur belangloses Urlaubsgeknipse vollzogen. Damals reichte es mir, wie ich glaubte, doch als ich wieder daheim war, haderte ich mit der Ausbeute.
Nun ja, “es ist, wie es ist”, wie Stefanie im NDR sagen würde, doch dieses Timelapse-Video von OkometubuY macht mich dann doch etwas unruhig, zumal ich ja schon an diesen Zeitraffern interessiert war, nachdem Paddy und Gunther es einem so schmackhaft gemacht hatten. Für obiges Ergebnis braucht nur viel Zeit, Talent und die richtige Ausrüstung. Das Tokyo-Filmchen ist mit einer modifiziertenSony NEX-5N und einer großen Auswahl an verschiedenen Linsen erstellt.
Nein, es ist keine S-Klasse, keine Ikone der Fortbewegung, vermutlich nicht einmal eine Ikone der Fotografie, die Fujifilm Klasse S, aber ich begehrte sie und ich bekam sie. Ich brauchte die Kamera nicht, aber ich bin zufrieden, sie zu haben und Zufriedenheit ist ein hohes Gut, wie ich finde – das liegt dicht bei Gesundheit und ich war noch ganz bei Trost – wirklich! – als ich im DSLR-Forum einer neuwertigen Klasse S zum Schnapperpreis ansichtig wurde. Da ich mich gerade von einigen Kameras getrennt hatte, war ich auch hinreichend flüssig, also wurde das Geschäft angebahnt und abgeschlossen – zur beiderseitigen Zufriedenheit. Das muss dem kommenden Fest der Liebe geschuldet sein, verdammte Axt.
Was wird da also besungen? – Es ist eine Kleinbildkamera mit Blendenvorwahl, eine gerne sogenannte Point-and-shoot-Kamera mit einem recht lichtstarken 2.8/38mm Objektiv (weitere Spezifikationen auf der japanischen Webseite) und – was mich besonders reizte – den NATURA-Modus der, wie die Klasse-Serie, eigentlich nur in Japan erhältlichen NATURA CLASSICA. Hier arbeitet die Kamera mit sehr lichtempfindlichen Filmen ab ISO 800 nur mit dem verfügbaren Licht und verzichtet damit auf den Einsatz des Blitzes, was mir besonders zusagt. Nachdem ich zudem Freude an Dias gefunden habe, soll die Fujifilm auch in diesem Metier als Urlaubskamera ihren Dienst verrichten.
Da der erste Film noch nicht verschossen und ergo nicht entwickelt ist, verliere ich mich noch kurz in Schwärmereien über die einfache Bedienung, die handschmeichlerische Haptik und ein Gimmick, das mich immer wieder begeistert: man kann mit einem einfachen Drahtauslöser auslösen. Oldschool, Digga!
Boston in Massachusetts ist kleiner und beschaulicher, viel kleiner und beschaulicher als New York City, daher ist auch Chinatown in Boston etwas kleiner und beschaulicher als jene (!) in New York City. Da tut dem Charme des Viertels aber nicht wirklich einen Abbruch, zumal hier die europäischen Einflüsse noch etwas näher sind und die Vermischung so etwas abwechslungsreicher ist.
Beim Stöbern durch die Fotos vom Sommerurlaub kam mir also dieses Bild unter – Erinnerung an gute Gerüche, an Sonnenschein, an lange Tage am Boston Harbor. Man könnte regelrecht in eine Vorweihnachtsdepression verfallen, doch dazu bleibt keine Zeit, denn es sind Kekse zu backen und Geschenke in die Höhle zu schleppen. Frohes Fest!