Glamour Plastique

Need a blood transfusion?

Als der Autor dieser Zeilen vor einigen Jahren in Tokyos “Electric Town” Akihabara erstmals scheinbar aus Mangas entkommene Plastikfiguren von partiell kurvenreichen Damen ansichtig wurde, nahm er das zur Kenntnis und vergas es mit der Zeit, doch einige Leute entwickeln beim Sammeln dieser “Damen” eine erstaunliche Energie, wie ich erstmals wieder bei Danny Choo, einem Blogger, der in Japan lebt, sehen konnte. Danny, der auch aus Tokyo Trooper die Straßen der Stadt unsicher machte, berichtete kürzlich von einem Sammler dieser Puppen aus Hong Kong, der diese zu Fotomodellen erklärte und durchaus effektvoll in Szene setzt.

Day by Day

Da ich ja auch ein Freund der Objektfotografie – was hier fast doppeldeutig klingt – bin, wenn man mich lässt, schrieb ich AIKO[ARAEL] einfach mal über flickr an und bat um einen kleinen Einblick in sein Hobby. Nach eigener Auskunft sammelt er diese horrend teuren Dollfie Dream Puppen seit einandhalb Jahren und fotografiert sie seit etwa einem Jahr. Dass er dabei nicht davor zurückschreckt, einen großen Aufwand zu betreiben, skizziert sein hier abgebildeter Aufbau. Das zweite hier vorgestellte Foto hat er übrigens vor einem Fernseher aufgenommen. Man muss nur auf die Idee kommen, dann ist es sehr simpel.

Summer Sweet

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Davis Ayer – time travel

Offenen Auges streifte ich erst neulich wieder durch das Internet, nahm vielerlei Verbrechen, menschliche Dummheit und auch Till Schweiger wahr, doch es gibt ja auch noch Schönes auf der Welt und Schönes gelingt Davis Ayer mit seiner Fotoreihe <time travel>, in der der Fotograf aus Austin, Texas Bilder auf Körper projiziert und diese dann in einem dunkel Raum fotografiert. Die Hamburger Sparkasse macht ähnliches mit angezogenen Menschen und Perlweiß-Lächeln in einer Kampagne – bei Ayer wird nicht gelächelt.

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Die Look & Stil-Frage

Nieten & Rasten

Es kommt mir und gewiss nicht nur mir unter, dass man ein Bild, das man das erste Mal sieht, schnell einem Fotografen zusprechen mag, weil dieser in den Jahren seines Schaffens einen ganz eigenen Stil entwickelt hat. Offen bleibt die Frage, ob er damit angekommen ist, eine Periode überlebt oder ob – im Falle von Auftragsarbeiten – genau dieser Look nachgefragt und daher in Variationen reproduziert wird.

Drahtseilakt

Ob meine Bilder eine Handschrift tragen, weiß ich nicht, aber wenn dem nicht so ist, dann bleibt die Frage, ob es Unsicherheit ist, Wankelmut vielleicht? – Ich weiß, dass ich gerne ausprobiere, digital und seit letzter Zeit auch wieder mehr analog, farbig und schwarz-weiß arbeite. Mal halte ich eine Serie in einem Stil durch, mal war eine Art der Bearbeitung scheinbar fest verbunden mit einer Kamera. Ich habe zum Beispiel lange meine Bilder aus der Sigma DP1s nur in s/w konvertiert und dann war es auch durch. Jetzt habe ich aber sehr viele Bilder aus dem USA-Urlaub mitgebracht und jedes Mal, wenn ich mich daran setze, bearbeite ich sie anders, weil ich finde, dass es zur Aufnahme passt.

Weiß ich nicht wohin ich will oder weiß ich genau, dass jedes Bild eine eigene Betrachtung verdient hat und wie ist es bei euch?

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Vivian Maier in Hamburg

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Freunde und Freundinnen der Streetfotografie in und um Hamburg sollten den Weg in die Galerie Hilaneh von Kories an der Stresemannstraße (Bahrenfeld) finden, wo wunderschöne Aufnahmen der Nanny Vivian Maier aus der Mitte des 20. Jahrhunderts gezeigt werden. Der Eintritt in die Galerie ist kostenlos, die gerahmten Abzüge kommen mit 1.200 Euro etwas teurer.

VM1

Doch auch all jene, die das Geld gerne sparen möchte oder müssen, werden den sehr kurzweiligen Besuch sehr schätzen, haben die Bilder doch eine Kraft, hatte die Fotografin doch einen Blick für Typen und Situationen. Einen sehr schönen Überblick über ihre Arbeit bietet der Blog, den John Maloof – der Wiederentdecker ihrer Negative – betreibt, auch einestages hat davon berichtet. Im Anschluss an den Besuch haben der geschätzte Luther2k und ich einen angemessenen Espresso bei Andronaco im Beerenweg genommen. So lässt es sich aushalten.

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Slinkachu – Little People

Bild: Hoffmann & Campe

Auf der Suche nach Inspiration für ein eigenes Projekt, dass in meinem Kopf langsam Gestalt annimmt, auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk – ich war also in eine Buchhandlung gewandelt und stand vor dem Fotografie-Regal. Neben den unvermeintlichen Shanghai-Bildbänden fand ich ein kleines gebundenes Büchlein, dessen Cover (siehe oben) mich kurz stutzen ließ.

Kleine Leute in der großen Stadt ist ein Werk des englischen Künstlers Slinkachu (*1979), der kleine Szenen en miniature mit Figürchen auf der Straße inziniert. Nicht nur für Freunde des Hamburger Miniaturwunderlandes haben diese Szenen was, er bindet die Umgebung absichtlich mit ein und schafft so etwas in meinen Augen ausgesprochen sehenswertes. In seinem Blog Little People – a tiny street art project kann man einen wunderbaren Einblick in sein Projekt haben.

Brauche ich nun auch noch ein Makro-Objektiv?

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Tokioter Streifzüge – Interview mit Yuhi

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Das World Wide Web ist in der Tat manchmal eine erfreuliche Seite der Globalisierung, auch wenn sie mir zeigt, dass nicht nur in Deutschland, sondern praktisch zeitgleich in Japan die Frauen wegen irgendwelchen Schuhen H&M-Filialen bestürmen. Nun, das am Rande. In meinen flickr-Alben merkte ich vor einiger Zeit, dass der User hongkongmuffin immer wieder Bilder von mir zu seinen Favoriten hinzufügte. Mit einem Klick – ja, ja, das WWW! – schaute ich mir dann mal seine Bilder an und da gefielen mir doch so einige. Mit Kompaktkameras zieht Yuhi durch Tokyo, meiner ausgemachten Lieblingsstadt – außerhalb von Hamburg. Ich bat ihn also um Arbeitsproben und ein Interview. Hier kommt es – holprig und mit Werbelinks zu meinen Gunsten.

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Kannst Du uns ein wenig etwas über den Ort, in dem Du wohnst erzählen?

Ich lebe am Stadtrand von Tokyo, in Tama City und fahre oft nach Shinjuku (Anmerkung: größtes Kommerz- und Vergnügungsviertel im Westen Tokyos mit Sitz der Verwaltung) um zu fotografieren.

Du benutzt hochwertige Digitalkompaktkameras, wie die Ricoh GR Digital III (damit wurden hier gezeigte Fotos gemacht) oder auch die Sigma DP2. Warum? – Hast Du immer eine Kamera dabei oder packst Du sie für einen geplanten Fotowalk ein?

Außer auf der Arbeit habe ich eigentlich immer eine Kamera dabei, doch meistens gehe ich mit dem Vorhaben, Fotos zu machen, los.

Wie man in Deinem flickr-Stream sehen kann, bevorzugst Du urbane Fotografie in der Großstadt, aber Du beschränkst Dich nicht alleine auf die Architektur, sondern lichtest auch die Menschen ab, die sich in diesem Umfeld bewegen. Wo liegt darin die Faszination für Dich?

Ich fühle den Charme dieser künstlichen Umgebung. Diese wird die Welt früher oder später absorbieren. Es ist, wie das aktuelle Erscheinungsbild dieser Welt zu beobachten oder zu bannen, bevor es schon wieder vergangen ist.

Seit Du in letzter Zeit sehr viel im quadratischen Format fotografiert hast, reizen Dich denn auch klassische Analogkameras, wie zum Beispiel eine Hasselblad?

Ja, eine Hassey oder eine Rollei interessiert mich schon, doch sofern ich eine erlangen sollte, würde sich mein Stil der Fotografie nicht ändern.

Vielen Dank für das nette Gespräch. Ich will auch so eine Ricoh haben!

[Schweigen]

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Vernon Trent – gerne Menschen

Heute sei einmal mehr ein Photograph vorgestellt, dessen Arbeit mir sehr gefällt. Es muss wieder diese von der Wirklichkeit entrückende Twitter gewesen sein, wo ich erstmals auf den aus Rumänien stammenden Vernon Trent und seinen Blog aufmerksam geworden bin. Oft stand er mir aber auch mit Rat und Link zur Seite, wenn ich mal wieder mit meinem WordPress an den Rand der Totalvernichtung geraten bin.

Ausgewählt habe ich obiges Bild aus seinem Portfolio, weil ich – gerade versucht, selbst mehr Portraits zu machen – es besonders inspirierend finde. Also fragte ich ihn, ob er zur Entstehung des Photos etwas mehr sagen könnte. Die Schilderung der Umstände (zum Studio umgebautes großes Wohnzimmer, Lichtquelle von seitlich oben, Softbox ohne Innenreflektor, Kamera: Canon 350D) skizzierte das technische, aber dass es sich um ein Teenie-Girlie-Shooting anlässlich eines Geburtstages mit obigen Posing-Naturtalent handelte – das überraschte mich dann doch. Möge auch ich stets an derart talentierte Modelle geraten.

Wer sich die anderen Arbeiten von VT ansieht, wird schnell herausbekommen, dass er neben seiner Vorliebe für Menschen als Motiv, wohl auch seine Liebe der Analogfotografie widmet: alte Kameras und Optiken mag er und experimentiert gerne mit alternativen Prozessen, wie Bromöl, Platinnum-Palladium Prints, Carbon-Lith oder auch Wetplate Collodion – das musste ich selbst erst mal nachschlagen. (ô_ò)

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Viva Franconia – Nürnberg

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Nun ist also auch Nürnberg an der Reihe, die letzte Station auf meiner kurzen Reise durch das schöne Frankenland – als Großstädter aus Hamburg schockierten mich alleine die Entfernungen von Rothenburg aus – nach Nürnberg sind es immerhin 70 km. Da ist der Hanseat schon fast an der See. Das erste Foto der heutigen Reihe zeigt die Haupttribüne mit Podium des Reichsparteitagsgeländes in einer fast unheimlichen Stimmung, die (ohne viel Veränderungen am Rechner!) schon etwas die grauselige, fast morbide Stimmung um dieses monumentale Bauwerk besonders gut herausstellt.

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Die zweite Aufnahme ist wie die erste mit meiner Nikon D40 DSLR aufgenommen, diesmal allerdings hatte ich vergessen, die Einstellung, die ich zuvor für die Nutzung des Lensbaby Muse benutzt hatte, wieder herauszunehmen und bei der starken Sonneneinstrahlung war die Kontrolle der Bilder auf dem Display auch schwierig – es wurde also mit einer sehr kurzen Verschlusszeit gearbeitet.

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Sören Wilmsen – Halme

Gemeinhin glauben ja viele Experten, dass Twittern ein Ausdruck von Entrückung ist, es gibt Comicfilme, die debile Rufer in die virtuelle Weite zeigen und es gibt das reale Leben! Just in jenem gab es einst diese crazy gezwitscherte Verabredung zum Barmbek-Photowalk mit myersmyers aka Sören und den anderen Rockern, von dem ich hier berichtet hatte. Heute möchte ich einmal Sören vorstellen, da mir besonders seine fast schon gelebte Kombination von einer DSLR Canon EOS 1000D und MF-Objektiven gefällt. Obiges Bild habe ich mir ausgesucht, weil es eine flüchtige Beobachtung ist, der Vordergrund weit und unscharf, die Halme beiläufig wirken.

Nach eigener Auskunft spielt er erst seit einigen Monaten mit dieser Combo: “Der Irrsinn ging kurz danach los, ich probierte die ersten MF-Objektive aus, das Feuer war entfacht! Seitdem fotografiere nahezu ausschließlich mit MF und spiele neuerdings auch gerne mit diversen Filtern. Ich bin noch immer auf der Suche nach einem eigenen Stil, das wird aber auch noch dauern, ich stehe erst am Anfang!” Sein Album bei flickr – ein vielversprechender Anfänger, wobei es allerdings sehr anmaßend ist, wenn ich das sage.

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Camera Imago 1:1 in Altona


Portraits, 1970er Jahre, Imago-Serie. Foto Susanna Kraus

Seit dem 10. Juni dieses Jahres läuft im Altonaer Museum in Hamburg eine Ausstellung über die “Camera Imago 1:1″ unter dem Titel “Ich 1:1 – Portraits aus der größten Kamera der Welt“. Wenige Tage nach der Eröffnung bin ich mit dem Kollegen Stilpirat in diese Ausstellung gegangen und trafen neben einem Spiegel, in welchem man sich “richtig herum” sieht, einer Videostation und Modellen auch etwa drei Dutzend lebensgroßer Portraitaufnahmen an.

Das besondere ist, dass man in die Anfang der 1970er Jahre vom Physiker Werner Kraus und dem Goldschmied Erhard Hössle entwickelte Kamera einsteigt und dort abgelichtet wird – allerdings nicht auf einen Film, sondern direkt auf das extra wieder aufgelegte ILFORD-Fotopapier. Somit ist jede Aufnahme ein Unikat. Nachdem die Kamera lange Zeit in Vergessenheit geraten war, hauchte Susanna Kraus, die Tochter des Erfinders, ihr im Jahr 2004 wieder Leben ein. Nachdem das 7x4x3 Meter große Gerät die folgenden Jahre viel auf Reisen war, fand sie im April dieses Jahres einen festen Standort im Postfuhramt in Berlin Mitte.

Wie die Imago-Ausstellung endet auch eine weitere Fotoausstellung im AM am 27. September 2009: Johanna Manke (geb. 1976) zeigt “Erste Liebe – Geheime Orte“. Ebenfalls sehenswert.

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Zitat

Die Tatsache, daß eine im konventinellen Sinn technisch fehlerhafte Photographie, gefühlsmäßig wirksamer sein kann als ein technisch fehlerloses Bild, wird auf jene schockierend wirken, die naiv genug sind, zu glauben, daß technische Perfektion den wahren Wert eines Photos ausmacht.
(Andreas Feininger)

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