
Ich bin hiermit bekennender Auslöseklangfetischist unter den Fotofreunden, wenngleich ich sonst zumeist mit Ferris Bueller bin und *ismen ablehne. Durch diese Neigung vorbelastet musste ich also beinahe zwanghaft auf die Suche gehen nachdem ich erstmalig eine Rolleiflex SL 26 auf einem Fotoflohmarkt in Hamburg in Händen hielt, dort aber noch wacker widerstehen konnte. Was mich in den Minuten stolz machte, ärgerte mich Stunden später so sehr, dass ich dann in die Bucht abtauchte und einen sehr freundlichen Verkäufer fand.

Wenig später stand der Karton mit dem Neuerwerb schon auf meinem Küchentisch und so konnte ich einen meiner sehr wertvollen 126er Filme einlegen. Da dieser Film seit Jahren nicht mehr hergestellt wird, sind es wohl alleine meine knappen Vorräte, die die Rolleiflex vor einem pantomimischen Dasein in der Vitrine bewahrt. Das hatte sie aber scheinbar schon einige Zeit hinter sich, genauso wie meine älteste Film-Charge (abgelaufen 2001) und so wollte der Transport nicht immer so, wie er sollte. Ich benutzte das Wort “störrisch”, ich unterstellte, ich bettelte und ich belichtete auch doppelt.
Aber dieser Auslöseklang … Ich benutzte die Rolleiflex in den nächsten Wochen begeistert, wie sparsam und am Ende durfte ich den belichteten Film beim Szenetreff Foto Köhler abholen, dem ich einige Tage zuvor nicht nur den 126er Film auf’s Auge gedrückt habe, sondern auch einen 127er Rollfilm und zur Freude aller: einen 110er Pocketfilm. Nachdem mit einigen kleineren Hürden gescannt wurde, konnte man die Leistungsfähigkeit der Kamera durchaus erahnen. Ich werde sie weiter sehr bewusst einsetzen, nur verlassen mag ich mich auf sie noch nicht.


Hamburg, eine Beirette K100, ein abgelaufener Kleinbildfilm, etwas drüber gehalten – abgedrückt. Soweit alles ganz einfach, soweit ein Produkt des vergangenen Jahres, in dem ich vom Stilpiraten die kleine wenig zielsichere Kompaktkamera aus der DDR geschenkt bekommen hatte.
Etwas nörgelig saß ich am Neujahrstag, an dem wenig mit mir anzufangen war, also am Scanner und freundete mich mit obigen Foto an. Zuerst etwas zögerlich, denn das Motiv nahe der Stadthausbrücke war jetzt nicht in den Postkarten-Top-Ten, die Brillianz, die dem Bild fehlte, machte es vielleicht bemüht charmant, aber mit längerem Hinsehen gefiel es mir dann immer besser. Es muss ja nicht gleich alles ab dem 1. Januar schlagartig besser, umgehend positiv anders oder sonstwas werden, aber es kann werden. Das finde ich fast tröstlich. Frohes Neues, werte Leserschaft!

Offensichtlich gibt es Gemeinsamkeiten zwischen dem Fußball und der Fotografie, zumindest dann, wenn man eine Zenit FS-12, den sogenannten Fotosniper, sein eigen nennen darf – es gibt in beiden Disziplinen Fernschüsse, wobei mit dem russischen Optikmonster zumeist genauere Schüsse möglich sind. Das ist besonders aus dem Grund erfreulich, dass die mir heute vorliegenden Aufnahmen anfangs und zwischendurch und in der Entwicklung unter keinem guten Stern standen, was gerade in der Vorweihnachtszeit ein Artigkeitsdefizit hätte belegen können.

Da wären als Stolpersteine der Umstand zu nennen, dass man das TAIR 4.5/300-Objektiv nicht ganz in das M42-Gewinde schrauben kann, wenn man es auf die Pistolenhalterung setzen möchte, sondern eine halbe Umdrehung zurückzugehen hat – da sorgte ich mich schon etwas um die Schärfe. Das nächste Problem während meines eiligen Ausfluges bei etwas trübem Himmel war nicht der trübe Himmel, sondern der Umstand, dass beim Tragen des 3-Kilo-Apparates die Filmklappe hinten aufging – hier war der trübe Himmel eher von Vorteil, denn es gab kaum Verluste. Für diese sorgte dann aber das lustige Schlecker-Fotoland, wo ich meine abgelaufenen Kleinbildfilme stets hingeschleppt hatte, da ich bei den Probeschüssen etwas sparen wollte und es auch irgendwie sehr lomografisch fand, doch diesmal hatte das Labor die Perforation des Filmes über drei Aufnahmen geschrotet, dazu eine Aufnahme zerschnitten und dann noch einen Euro mehr berechnet. Ist das ein Extraservice? – Nun ja, abgesehen von den vielen Hürden – inklusive derer, dass man oft angesprochen wird und daher das eine oder andere Motiv verpasst – muss ich sagen, dass die Fotosniper mehr als nur eine Kurosität für die Vitrine ist.


Über soviel Harmonie hätten sich die Funktionäre in Ost-Berlin und Moskau gewiss derart gefreut, dass der Staub aus den grauen Anzüge gerieselt wäre, denn mein Versuch, die deutsch-sowjetische Freundschaft wahr werden zu lassen, hat geklappt! Eine Zenit ET-Spiegelreflex und ein Pentacon auto 2.8/29mm-Objektiv plus einem Film vom Klassenfeind harmonierten bei schönsten Herbstlicht ganz vortrefflich.

Angesteuert wurde das Frappant an der Großen Bergstraße in Altona als sich der Herbst noch einmal von seiner schönsten Seite zeigte. Mit im Gepäck war auch noch meine Kiev 88 Mittelformatkamera, aber das ist eine andere Geschichte. Gescannt wurde der im Großlabor entwickelte schon eine ganze Weile abgelaufene Polaroid High Definition Plus 200-Kleinbildfilm daheim vom Negativ mit einem Reflecta CrystalScan 7200. Mit den Ergebnissen aus der Zenit bin ich nicht unzufrieden, die gewisse Blässe der Bilder gefällt mir sogar ausgesprochen gut. Die Russin hat sich gegen die Beirette schonmal in Position gebracht, aber sie wird sich noch an anderer Stelle beweisen müssen und sie ist immer noch sehr schwer!

“Die beste Kamera ist die, die du immer dabei hast.” Dieser Ausspruch erscheint mir sinnvoll und da macht es auch nichts, dass mir der Urheber nicht sofort einfällt. Man sollte doch aber nicht alles dem Zufall überlassen und die “Immer-dabei-Kamera” doch recht gewissenhaft auswählen. Im Augenblick bin ich der Auffassung, dass es ruhig eine analoge Kamera sein dürfte, zumal ich noch einige abgelaufene Polaroid-KB-Filme habe. Die Beirette K100, ein Geschenk des Stilpiraten, hatte auf einer Feier schon recht feine Ergebnisse geliefert, nur waren Sucher und Optik selten eins – kein Grund, der leichten DDR-Kamera mit Bildtransportproblemen keine zweite Chance zu geben.

Dieser etwas ungewollte LOMO-Look hatte schon etwas und es unterstreicht auch den beiläufigen Charakter der Fotografie: entdecken, drüberzielen und schießen! Da wird auch mal von der gewissenhaften Einstellung der Schätzschärfe oder der Blende abgesehen, wie obige Aufnahme eindrucksvoll beweist. Heute nun – es liegen noch keine Ergebnisse vor – durfte sich auf einem kleinen Ausflug ins Frappant die Zenith ET mit Pentacon 2.8/29mm um den Posten als Trabant (Begleiter) bewerben. Die schwere Russin kann natürlich etwas mehr und das Auslösegeräusch … Man darf gespannt sein, wie der Analog-treue-Seele-Battle weitergeht.


Als ich heute die Ergebnisse meiner ersten Schritte mit der Beirette K100, die mir mein lieber Kollege Stilpirat zum Geschenk gemacht hatte, ansah, dachte ich noch in der Drogerie stehend und kopfschüttelnd, dass sich wohl ein volltrunkener Troll der Kamera bemächtigt haben muss.

Mit einem abgelaufenen Polaroid High Definition Plus 200 bestückt wurde die DDR-Kamera also anlässlich einer Feierlichkeit auf die Tauglichkeit, mein steter Begleiter zu werden, getestet und auch wenn die Ergebnisse an sich nicht unerfreulich waren, bleiben Zweifel. Denn Sucherbild und Foto haben allenfalls die grobe Himmelrichtung gemein – nicht mehr: praktisch auf jedem Foto sind Köpfe abgeschnitten, was auf kurzer Entfernung (1,5 bis 3m) nicht ganz so zu ertragen ist. Nennen wir es – zähneknirschend – einmal mehr charmant, erfreuen uns an dem Kommentar von oli1975 zum “hässlichen Foto” im positiven Sinne und legen den nächsten Film ein!


Man nehme eine automatische Olympus µ[mju:]-1 und einen Kleinbildfilm Polaroid 200-Y 135, den ich noch in einer Fotokoffer gefunden hatte und der richtig lange abgelaufen sein dürfte, was sich wegen des fehlenden Kartons nicht nachvollziehen lässt. Mit diesem possierlichen Paket ging es fortan täglich los, was meine Golden Half hoffentlich verschmerzen wird.

Es mag etwas wagemutig gewesen sein, einen Film einzulegen, der wohl einen starken Magenta-Stich haben würde, wagemutiger ist es aber, ganz ohne Kamera loszuziehen, denn wie wir wissen ist die beste Kamera jene, die man immer dabei hat. Am Ende nach Billig-Entwicklung inkl. 9x13er Abzügen bei Schlecker bzw. Cewe hielt ich wieder die “Knipsergebnisse” – keine angestrengte Lomographie -Â aus alter Vorzeit in Händen, nicht ganz so stichig wie erhofft/erwartet, aber dennoch sehr charmant. Ein Glück, dass ich noch knapp zehn “neue” noch ältere Polaroid-Kleinbildfilme geschenkt bekommen habe!
