
Da war ich im letzten Sommer beim Anblick des Boston Harbor an der amerikanischen Ostküste etwas rührselig geworden und hatte meiner besseren Hälfte einen Antrag gemacht. Da sie, guter Stimmung, meinem Antrag ausgesprochen wohlwollend statt gegeben hatte, sollte die Hochzeit also im darauf folgenden Jahr stattfinden, in diesem Frühjahr.

Es gab also einiges vorzubereiten, die Behördengänge, Gästeliste, Lokalitäten und last but not least galt es, den Fotografen auszuwählen. Schnell fiel meine Wahl auf meinen Fotohomie Paddy – patrickludolph.de -, der mir umgehend zu verstehen gab, dass er gerne bereit wäre, dies zu tun, aber auch etwas Sorge hätte, weil ich u.a. darauf bestand, dass einige Bilder am Imbißwagen am Ottenser Spritzenplatz entstehen. Mancher würde jetzt “Street” schreien, andere nehmen Senf zur Wurst.

Gestern nun lud Paddy uns ein in sein Studio und stellte uns die Ergebnisse bei Flaschenbier und Dosenprosecco in seiner Lounge in Form eines kleinen Videos vor. Dazu überreichte er uns ein großes, gar mächtiges Fotobuch, welches wir gar nicht mehr aus der Hand legen wollten. Einzelabzüge auf Hahnmühle-Papier und alle Daten auf CD plus das Filmchen auf DVD ergänzten den glänzenden Gesamteindruck. Würden wir wieder heiraten, wir wüssten, wer die Fotos macht. Danke Paddy!

Man hatte mich ermutigt, einen Abendspaziergang zu machen und da ich nicht ohne Fotoapparat aus dem Haus gehen mag, packte ich schnell meine Tasche, in welcher neben meiner Mamiya 645 auch die Sony a850 mit dem lichtstarken Sigma 85mm seinen Platz fand.
Bummelnd führte unser Weg nach Oevelgönne an die Elbe und es dauerte nicht lange, bis ich des Ausrufezeichens ansichtig wurde. Wenngleich ich das Bild nicht heller machen wollte, um noch etwas vom Himmel kurz vor dem Sonnenuntergang mitzunehmen, und das Containerschiff noch nicht so weit wie erhofft im Ausschnitt angekommen war, sah ich den Zeitpunkt gekommen, abzudrücken. Ich tat es.

Das Ergebnis nächtlicher Schrauberei an einem Foto, welches ich vor etwa einem Jahr am hafenbahnhof.com in Neumühlen aufgenommen hatte, wo sich meines Wissens immer wieder sonntags Freunde und Freundinnen amerikanischer Klassiker treffen. Mir war gerade danach, das Bild nochmals zu bearbeiten und darum habe ich es gemacht. Einfach so. – Das klingt doch verrückt.

Lange nicht in den Händen hatte ich meine Holga 120, mit der ich vor einigen Jahren das Fotografieren wieder für mich entdeckt hatte, doch nun zum Bild: im Sommer vor drei Jahren hatte sich eine kleine Gruppe von Fotointeressierten zusammengerottet und den Weg an den Kuhmühlenteich in Hamburg gefunden, wo ich einmal doppelt abgedrückt hatte – und es passte gut.
Heute nun habe ich den alten Negativstreifen nochmal aus der Mappe gezogen, ihn neu gescannt und leicht bearbeitet. Ich sollte die Holga wieder mehr benutzen, aber werden die anderen Kameras dann nicht eifersüchtig und was sagt Tante Marga, die am Treppenabsatz steht, den Staubwedel in der einen Hand, eine Tüte gebrannter Mandeln in der anderen? Man weiß es nicht.

Seit einigen Wochen mittlerweile darf ich eine Zeiss Ikon ZM mein Eigentum nennen und fühle mich objektivseitig auch schon ganz gut ausgerüstet. Als erste Linse nach dem 50mm kam mir ein 15mm von Voigtländer ins Haus und nachdem man mir mal einzureden versuchte, dass man mit einem Ultraweitwinkel Autos fotografiert, habe ich das einfach mal gemacht.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, habe ich in diesem Fall nur ein Auto fotografiert, doch die Scharfsinnigsten unter meinen Lesern und Leserinnen haben dies fraglos auch so herausbekommen. Was behalten wir nach der ersten Betrachtung also über? – Das Heliar ist scharf, der Tri-X 400 von Kodak passt so gut und der Voigtländer-Aufstecksucher ist nicht zuletzt ob der Objektivmitten-Blitzschuh-Abweichung ein Visier für Schrotgewehre – im übertragenen Sinne natürlich!
Die lieben Leute von Lomography haben mir ja vor einiger Zeit einen Spinner 360° zum Spielen gegeben und nachdem meine anfänglichen Studien des Gerätes noch den Motorizer mit einschlossen, tapste ich beim zweiten Schwenk nur mit der viel ursprünglicheren manuellen Variante los – mit Zugschnur und Trallala.
Für jemanden, der auf Nachfrage gerne einmal behauptet, dass die analoge Fotografie die sinnlichere, die bewusstere Variante der Fotografie ist, für einen solchen also ist der Spinner keine wirkliche Offenbarung, denn die Haptik, die Konstruktion bleibt doch sehr “Toycamera” und ist freilich nicht vergleichbar mit einer Zeiss oder Mamiya, aber das ist auch nicht die Spielwiese. Es gibt keinen Sucher, es gibt keinen wirklichen Auslöser, es gibt einen Haltegriff und die Schnur, an der man zieht. Die Kamera dreht sich um die eigene Achse und dann ist das Bild offenbar im Kasten und ich mit drauf, doch das unfotogene Glotzen wird dann später korrigiert.

Nach der Entwicklung des Films ist diese Behauptung untermauert und es geht an die Nachbearbeitung. Da die Darstellung eines so weiten Panoramas im Blog oder bei flickr immer etwas jämmerlich wirkt, ringe ich iMovie gleichermaßen entschlossen wie ernüchtert Kamerafahrten über das Foto ab. In diesem Fall sogar eine kleine Geschichte über Besucher von außerhalb und den Triumph der Liebe. Und es ist doch ein lustiges Spielzeug.

Es ist mir mittlerweile eine gar liebe Gewohnheit geworden, beim großen Fotofreunde-Happening auf dem Hamburger Dom (Volksfest), dem leider oftmals weibliche Teilnehmer fehlen, mitzugehen. Am Vorabend der Eröffnung sind die meisten Buden schon aufgebaut, es gibt Lichttests und eine Handvoll Leute, die mit ihren Stativen immer im Wege herumstehen. Selbstreflexion.

Da es mittlerweile vielleicht meine vierte Teilnahme war, gab es jetzt nicht mehr soviel neue Motive aufzuspüren, wenngleich sich ja zum Glück auf der Blick des Fotofreundes verändert und man vieles “neu entdeckt”. Ich hatte diesmal eingesteckt: die Zeiss Ikon ZM und die Sony NEX-3 mit Novoflex-Adapter. Sieht man von der Holga-Linse für die NEX ab, hatte ich nur drei Linsen mit M-Bajonett dabei und damit konnte man schon einiges anfangen. Neben dem Zeiss Sonnar 1.5/50mm mussten noch mit das Voigtländer 4.5/15mm und Leicas Elmar-C 4/90mm in die Tasche und manchmal auch raus.


Ich mag ja oftmals Sachen, die ein wenig aus der Mode gekommen sind, die ein bisschen erzählen von der Vergangenheit. Ich erinnere mich nebulös daran, dass ich in meiner Kindheit dann und wann ganz begeistert vor dem Leierkastenmann und seinem Äffchen gestanden habe. Heute findet man Leute, die ihr Geld an der Kurbel verdienen, nur noch selten und dann eigentlich nur dort, wo Touristen sind.
Mein Weg zur Arbeit führte mich bei traumhaftem Wetter vorbei an den St. Pauli Landungsbrücken und dort sah ich Erwin an seiner Kurbel, wie er mehr schnackte als drehte, aber das machte nichts. Ich warf ihm dennoch einen Taler ins Körbchen neben dem Plüschaffen und durfte dann ein paar Fotos machen. Der Hintergrund ist nicht ideal, um den Künstler von diesem abzuheben, aber auch das macht dann auch nichts. Muss ja nicht.

Ach nein, es ist kein Diskussionsbeitrag zur bloggenden Fotofreundeszene, Ruf und Fähigkeit, Bezug und Belanglosigkeit. Nicht einmal das Ende des Maya-Kalenders ist hier Thema. Ich glaube ja felsenfest, dass der zweite, der fehlende Teil des Mayakalenders einst im Bernsteinzimmer stand und in irgendeiner Nazi-Gold-Kiste auf seine Entdeckung wartet.
Ich habe heute einen kleinen Ausflug unternommen mit der kleinen frechen Spinner 360° von den Lomographen und da ich mit dem ersten Testfilm nur sieben bis neun Bilder habe aufnehmen können, sollte auch die kleine NEX mit. Der Himmel war mittelgrau und langweilig, aber ich hatte Zeit und war auch neugierig, wie die kleine 360 denn so arbeitet. Nachdem ich also den Film zur Entwicklung abgegeben habe, schaute ich mir die Digitalfotos daheim auf dem Bildschirm an: wie langweilig! Die alte Fotowerkstatt angeworfen, Himmel getauscht, Ränder abgestempelt, einen satten s/w-Look drüber und auf die Schatten gepfiffen. Das Licht ist nämlich supernatural und da müssen keine Schatten sein.

Hatte die neue Zeiss Ikon mich im Stich gelassen? Warum war der Verschluss eines bitterkalten Abends nicht aufgegangen als wir, aus dem warmen Auto kommend, umgehend die Stative aufgebaut hatten, um Bilder zu schießen? – Es wird noch etwas Forschung bedürfen, um diese Frage zu klären, vielleicht wäre auch Tageslicht hilfreich. Hell war es am folgenden Tage, als ich mit meinem Bruder per pedes an die Elbe zog. Auf dem Fußweg war die Kamera schon eine Viertelstunde der nicht mehr ganz so krassen Kälte in der Fototasche ausgesetzt und gab sich gütig.

Unten, in Neumühlen, schnurrte wieder alles in der Messsucher wie ein Kätzchen. So stelle ich mir das zumindest vor, denn ich hatte immer einen Hund und die grunzen vielleicht mal, doch das ist eine andere Geschichte. Es stand an diesem Tage auf dem Testprogramm “Leben mit dem Gegenlicht” und “Schnellscharfstellen für Vogelfreunde”. Das hat alles sehr gut geklappt, die Zeiss Ikon wurde anschließend liebgehalten und dann wieder in die Wärme verfrachtet – zu Tee und Keksen.