Parcours tristesse II

Sitzmöbelunzucht

Ein Hindernis ist auch nicht die Filmentwicklung geworden, doch dazu später. Ausgerufen war ein “Analogschwenk”, ausgewählt war von allen Protagonisten eine Mittelformatkamera und alle setzten sie auf Ilford-Material. So zogen sie jenseits des Sightseeings wachen Auges durch die Gegend, wie schon im vorherigen Post skizziert.

Don Develop

Dieses Mal für den Autoren dieser Zeilen neu, war aber der Ansatz, die Filme selbst zu entwickeln und das sollte geschehen unter der gleichermaßen fachkundigen wie auch unaufgeregten Anleitung von Patrick, der auf zweitem Bild zu sehen ist. Meine FP4+ fanden mit seinen Filmen Platz in der großen Entwicklerdose und mussten dann von auch von mir acht Minuten lang in Bewegung gehalten werden. Nach Stoppen, Fixieren und Spülen hingen die Streifen dann im Badezimmer und trockneten träge. Am nächsten Tage konnte ich sie dann aber abholen und scannte wild entschlossen.

Drahtkalesche Altes Fett Palasttor

Frohe Weihnachten 66!

Merry Christmas!

Recht gewissenhaft hatte ich Weihnachtswünsche bis zuletzt sehr, sehr sparsam ausgesprochen, habe keine Karte mit Frau, Hund und Kamerasammlung verschickt, obwohl es sich anbot, aber eine einfache Reportage auf ARTE im Fernsehen ließ mich weich werden als ich sah, dass man mit einem Fuji-Film, einer Kiev und dem ohnehin drappierten Plastikbaum Kleinkunst behaupten kann. Alles Gute also und frohe Ostern!

Big Fat 88

Angler

Sie hat einen kleinen ausgepolsterten Alukoffer in dem sie wohnt, meine Kiev 88 – in den 1980er Jahren MADE IN USSR – und in diesem Koffer ist es auch nicht ungemütlich, doch hat sie sich der Stubenhockerei hingeben müssen, weil ihr Herr und Besitzer viel zu lange mit anderen, handlicheren Kameras unterwegs war.

Concierge

Ein schöner Frühherbsttag und gute Laune sollten also herhalten, um den Film, der mit unterem Bild einst begonnen war, endlich vollzumachen. Die kleine lustige Reisegruppe aus Kiev 88, ihrem stolzen Besitzer und der besten Hälfte machten sich also auf den Weg durch das schöne Altona, man reckte die Faust zum Kampfe zur Rettung des Altonaer Museums und schlenderte in Richtung Elbe. Auf dem Altonaer Balkon angekommen, musste noch ein Gegenlichtfoto her, sah der Herr mit Kopfhörern auf der Bank doch zu possierlich aus und dann spulte uns eine Welle der Euphorie auch auf die nächste Fähre in Richtung Innenstadt – da waren nur noch zwei Bilder übrig …

Schippernd White Kaiserhof

Sunny Hoheluft

Tanken auf dem Hof

Mein neustes Vorhaben trieb mich mit der schönen Kiev 88 bei bestem Sonnenwetter in die Hoheluft. Mit der nicht ganz handlichen Mittelformatkamera in der Tasche war ich entschlossen, den Bereich zwischen Grindelhochhäusern und Hoheluft-Bahnhof zu durchwandern, auf der Suche nach Motiven und Geschichten. Da ich mit meiner sowjetischen 6×6 bei so gutem Wetter noch nicht so häufig unterwegs war, war es ein mutiges bis törichtes Unterfangen, sie mit einem Fuji RDP III Provia F Diafilm beladen zu benutzen. Meine Zuversicht, dass der alte Gossen Sixtino Belichtungsmesser schon die richtigen Daten liefern würde, wurde durch die Ergebnisse der “analogen Enttäuschungsfotografie”, die es mein lieber Freund fischimglas aus Erlangen zu nennen pflegt, etwas eingebremst. Die Ausbeute blieb überschaubar und notiert habe ich: eine Blende weiter zu!

Madrid

Schon alleine aus dem Grunde, dass ich für die Kiev kein Weitwinkel besitze, habe ich die handliche Sigma DP1s dabei gehabt und konnte somit noch einige weitere Bilder aufnehmen, was den Ausflug nicht alleine als lehrreichen Nachmittag verbucht sein lässt, sondern mir auch zeigte, dass der Foveon-Sensor bei starkem Sonnenlicht noch zur Arbeit im Stande ist.

Abgelichtet und vorgelegt habe ich oben mit der Kiev eine Hinterhoftankstelle mit Werkstatt. Der Ort mit angeschlossenen Garagenhöfen hat mir sehr gut gefallen und ich werde ihn gewiss ein weiteres Mal aufzuchen. Das zweite Bild in dieser Reihe zeigt eine Zeile, die wohl bald einer neuen Nutzung anheim fallen wird. Neben einem früher von der SPD genutzten Gebäudes ist das der Hof eines Renault-Händlers, welcher einst zwei Geschäfte in Hamburg hatte. Im Vordergrund befanden sich einst ein Friseur und ein spanisches Restaurant. Wenngleich verlassene Gebäude etwas trauriges haben, erzählen sie doch auch eine Geschichte – das scheint den Reiz für mich auszumachen.

Deblers Hof

Auf altem Bahnhofsgelände

Red Train

Wie oft hatte ich schon etwas sehnsüchtig aus den Fenstern der S-Bahn auf der Strecke zwischen Altona und Holstenstraße auf das alte Bahnhofsgelände an der Harkortstraße geschaut, mir ausgemalt, wie ich dort vergnügt mit ein, zwei, drei Kameras herumwandeln würde, um Fotos zu machen. Doch, wie sollte ich dorthin gelangen, ohne wieder wütend verwiesen zu werden? – Der Zufall sollte helfen, denn ich lernte sehr überraschend den Pächter eines Teils des alten Geländes kennen und so trottete ich mit einem guten Freund, meiner Kiev 88 (nur noch 10 Bilder auf dem einzigen Film, einem abgelaufenen Kodak Ektachome 100 PLUS EPP Diafilm) sowie der neuen Sigma DP1s auf die Anlage und machten die ersten Bilder.

Better Days

Wenngleich viele Teile des Areals durch Zäune abgegrenzt waren, haben wir doch ziemlich großartige Motive gefunden, die mich schon bei dem Blick durch den Lichtschachtsucher meiner Kiev sehr begeisterten. Mit der Sigma machte ich erst einige weithin als Schnappschüsse bekannte Fotos, obwohl die Kompakte dafür eigentlich nicht gemacht sein soll, schaute dann aber wieder etwas gewissenhafter auf das Display und musste einmal mehr feststellen, dass der Faveon-Sensor verdammt gute Bilder macht.

Durchfahrt verboten! Blasses Hochhaus an Kurve Steinewerfer aus Glashaus I Steinewerfer aus Glashaus II Schutzraum Schlapphut
Mit der Bahn an den See Brücke im Nirgendwo

Kekskonzert bei Pony & Kleid

Spieglein, Spieglein an der Wand

Es waren schon einige Monate seit dem Fotoshooting mit Liebe Minou ins Land gegangen, da erreichte mich eine SMS der Sängerin: sie würde die Tage im Friseur-Salon Pony & Kleid ein Liedlein zum Besten geben, es wäre der Auftakt zu einer Reihe von Minikonzerten. Schnell wurde der werte Stilpirat in seiner Annahme des damals heutigen Datums korrigiert und so standen wir also bereit, um einige Bilder von dem Auftritt zu schießen.

Instant Friseur

Mit meiner Nikon D40 und der kernigen Kiev 88 bestückt war ich also wild entschlossen, mich der Aufgabe zu stellen, musste aber sehr schnell einsehen, dass bei allem Willen und aller Lichtstärke ein 100er Polaroid-Film (von Fuji) kaum etwas brachte, so nutzte ich also einen 200er Rollei, der natürlich noch im Magazin steckt (!), in der Ukrainerin und ballerte zwischendurch noch etwas mit der DSLR – soweit es mir der personalstarke Filmteam gestattete, dass mich dann doch etwas in einer Ecke festgesetzt hatte. Seht und lauscht aber selbst:

What's up? Links und rechts von der Mitte Interaktion After Work Club Seat

Harbor Crossing

Blohm & Voss Dock

Man könnte annehmen, ich verbrächte all meine freie Zeit am Hamburger Hafen, was nicht stimmt. Richtig ist aber, dass der Hafen – von meinem Domizil leicht mit dem Rad zu erreichen – stets ein schönes Motiv darstellt, auch wenn das Wetter es nicht so gut mit einem meint, der Himmel ein weitgehend ausdrucksloser Hintergrundkarton ist und der Wind entschlossen weht. Ein Familienausflug mit der Hafenfähre wurde also schnell zum neuen Probelauf mit der Kiev 88.

Bug der Docklands

Nun hatte ich diese Rolle KODAK PROFESSIONAL EKTACHROME 100 Plus in meine Ukrainerin eingelegt und das offensichtlich auch richtig gemacht. Den Film vor einiger Zeit endlich vollbelichtet, entschied ich spontan, dass der Diafilm mal schön cross-entwickelt werden sollte. Die Ergebnisse haben durchaus etwas für sich, wie ich finde, doch sind sie mir auch ein wenig zu holgaesk geworden, mit dem Hasselblad-Nachbau wollte ich etwas höherwertige Bilder machen. Ich schiebe es aber erstmal auf das Crossen, auf den Fotografen und das Wetter.

Erste Gehversuche mit der Kiev 88

Frischfisch voraus!

Es war ein etwas holpriger Beginn mit mir und der liebenswerten Kiev 88, aber wir beide haben ja schon etwas Lebenserfahrung gesammelt und so entwickelt man Charakter, um nicht Schrullen zu sagen. (Filmriss durch Gewalt) Der Auftakt war schon durch das Wetter etwas behindert, so entstanden die ersten Bilder bei bedecktem Himmel mit Blende 2.8 und einer Verschlusszeit von 1/60 Sekunde.

Camporn mit Rosen

Durch den Lichtschachtsucher gelangen trotz der “Dunkelheit” durchaus scharfe Bilder, doch zu meinem Groll wurden Bilder bei schönster Herbstsonne und Einsatz des Prismensuchers nicht ganz scharf, daher heute in der Küche ein schneller improvisierter Schärfetest (die Fuji Instax sollte es sein!) mit dahingeworfenem Stillleben, ohne Ausleuchtung und dem schönen Polaroid-Rückteil. Das könnte eine feine Spielerei werden mit den Sofortbildern und dankenswerterweise hat mir der Vorbesitzer der Kiev auch schon einige Infos dazu zukommen lassen.

Meine Kiev 88 und ich

Kiev 88 an Kaffee auf Tresen

Es kamen viele Dinge zusammen am heutigen Tage. Erstmals führte ich die von einem hochgeschätzen Kollegen erworbene Kiev 88 Mittelformatkamera aus, hatte die Hoffnung auf besseres Wetter aufgegeben und mich auf f2.8 bei 1/60 Sekunde eingestellt, da ein Film mit ISO 100 bereits in einem der beiden Magazine eingelegt war und ich einen sehr pragmatischen sowie neugierigen Tag hatte.

Ich zog so also freudig meine Runden durch Ottensen, wurde von Passanten und Plakate klebenden Punks freudig angesprochen, hatte noch meinen reizenden Schnack mit der Laborantin von Szenetreff Köhler, wo ein Stativgewindeadapter erstanden und Tipps abgestaubt wurden. Nach der Runde zog mich schließlich ins GAZONLINE zurück, wo der Bedienung mein Tun ganz sonderlich vorkam, denn ich nahm die Nikon D40 und versuchte aus freier Hand meinen Beitrag zum “ruhigste Hand ever” abzulichten: 1,6 Sekunden bei Blende 3,5 und ISO 200. Fast hat’s geklappt, aber es gibt scharfe Ecken! “Ihr habt bestimmt noch verrücktere Gäste hier am Tresen.” – “Ja, nee, ist klar!” Ich zahlte, gab ein gräßlich knappes Trinkgeld dazu und machte mich auf den Weg – Gemüsehändler knipsen!

Gemüsehändler - geknipst

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