The Dom – von einer Gewohnheit

Angetreten

Es ist mir mittlerweile eine gar liebe Gewohnheit geworden, beim großen Fotofreunde-Happening auf dem Hamburger Dom (Volksfest), dem leider oftmals weibliche Teilnehmer fehlen, mitzugehen. Am Vorabend der Eröffnung sind die meisten Buden schon aufgebaut, es gibt Lichttests und eine Handvoll Leute, die mit ihren Stativen immer im Wege herumstehen. Selbstreflexion.

Erleuchtung

Da es mittlerweile vielleicht meine vierte Teilnahme war, gab es jetzt nicht mehr soviel neue Motive aufzuspüren, wenngleich sich ja zum Glück auf der Blick des Fotofreundes verändert und man vieles “neu entdeckt”. Ich hatte diesmal eingesteckt: die Zeiss Ikon ZM und die Sony NEX-3 mit Novoflex-Adapter. Sieht man von der Holga-Linse für die NEX ab, hatte ich nur drei Linsen mit M-Bajonett dabei und damit konnte man schon einiges anfangen. Neben dem Zeiss Sonnar 1.5/50mm mussten noch mit das Voigtländer 4.5/15mm und Leicas Elmar-C 4/90mm in die Tasche und manchmal auch raus.

Spezial Armloses Herumliegen Budenbeleuchtung

Weltuntergang

ἀποκάλυψις

Ach nein, es ist kein Diskussionsbeitrag zur bloggenden Fotofreundeszene, Ruf und Fähigkeit, Bezug und Belanglosigkeit. Nicht einmal das Ende des Maya-Kalenders ist hier Thema. Ich glaube ja felsenfest, dass der zweite, der fehlende Teil des Mayakalenders einst im Bernsteinzimmer stand und in irgendeiner Nazi-Gold-Kiste auf seine Entdeckung wartet.

Ich habe heute einen kleinen Ausflug unternommen mit der kleinen frechen Spinner 360° von den Lomographen und da ich mit dem ersten Testfilm nur sieben bis neun Bilder habe aufnehmen können, sollte auch die kleine NEX mit. Der Himmel war mittelgrau und langweilig, aber ich hatte Zeit und war auch neugierig, wie die kleine 360 denn so arbeitet. Nachdem ich also den Film zur Entwicklung abgegeben habe, schaute ich mir die Digitalfotos daheim auf dem Bildschirm an: wie langweilig! Die alte Fotowerkstatt angeworfen, Himmel getauscht, Ränder abgestempelt, einen satten s/w-Look drüber und auf die Schatten gepfiffen. Das Licht ist nämlich supernatural und da müssen keine Schatten sein.

Yasuhara Fisheye für Sony NEX

Nachdem ich zuletzt den werten Herrn Miyazaki hatte vorstellen können und seine Objektive, kommen wir heute erneut zu einer sehr kleinen japanischen Werkstatt, die nun ein Fisheye für die Sony NEX und auch MFT anbietet. Die Firma Yasuhara, rund um den Jahrtausendwechsel bekannt für zwei sehr feine Messsucherkameras, bringt Ende März, Anfang April in Europa die “Madoka 180″ auf den Markt.

Wie hier auf dem Beispielbild (Klick macht groß) zu sehen, bekommt der Fotofreund und auch die Fotofreundin ein kreisrundes Bild mit einem Blickwinkel von 180 Grad oder zumindest fast. Da es sich hier fraglos um eine gerne so genannte “Spaßlinse” handelt, dürfte sich preislich recht atraktiv daher kommen. Noch einige Werkstangaben: Blende 4, Länge etwa 40mm, Gewicht etwa 200g.

Meine Sony NEX-3 hat sich ja zur “Allesfresserin” entwickelt. Neben den adaptierten Sony Alpha- und Minolta-Linsen, lässt sie sich bereitwillig mit M42ern, einer Holga-Linse, Minischerben einer Pentax auto 110 und offenbar mir großer Wonne mein Zeiss ZM 1.5/50mm ein.

Scarface 9000

Scarface

Es ist mein x-ter Versuch, meine gleichermaßen treue, wie verrockte Minolta AF 9000 in gute Hände und wenn nicht gute, dann wenigstens sehr zahlungsfreudige Hände abzugeben, weil Geld in die Kasse muss und weil ich nicht mit allen Kameras, die ich habe, angemessen spielen kann. Nun steht sie also für schlappe 45,00 Euro in der Bucht und harrt der Dinge.

Ob es der Verkaufsförderung zuträglich ist, dass ich die Minolta in all ihrer Verlebtheit anpreise – mag man so oder so beurteilen, aber ich muss sagen, dass dieses “Portrait” der Kamera mir schon bei der Bearbeitung so gut gefiel, dass ich Retouchen zu ihren Gunsten unterließ. Dass Boris dann heute auch noch etwas ratlos zu faltigen, verlebten Gesichtern bloggte, ermutigte mich, einen stillen Beitrag zu leisten.

Meine professionelle Fotografie

reprocam

Werte Leserschaft, es könnte enttäuschend sein, weil es kein Glamour-, kein People-, nicht einmal Produktfotografie ist, … Beruflich nutze ich die Kamera nur allzuoft zur Reproduktion von Akten, Dokumenten, alten Zeitungen, weil man sie nicht mehr fotokopieren oder scannen kann/darf. Nur selten setze ich die angehäufte Technik ein, um eine kleine Reportage zu machen. Der Rest ist dann Freizeitvergnügen.

Zum letzten “Quick and Dirty”-Dokumentenshooting habe ich kleinstes Gepäck gewählt: ein Alustativ mit herausnehmbarer Mittelstange, ein leichter und kleiner Stativkopf mit Manfrotto-Schnellwechselplatte und eine Sony NEX-3 mit einem adaptierten Pentax-110 2.8/24mm-Objektiv. Warum diese Kombination? – Leicht ist sie, das war eine Forderung, die Naheinstellgrenze liegt bei 35cm, eine gewisse Lichtstärke ist vorhanden, was für das schnelle (sic!) Ablichten von ganzen Akten von Vorteil ist. Darüber hinaus geht keine Zeit für den Autofocus verloren, weil es ihn nicht gibt. Oft schon hatte ich die NEX gerühmt, weil sie die “Ratte” für alle Fälle ist und wieder hat sie es bewiesen.

Vom Weihnachtsadapter

Weihnachtsspaziergang

Beinahe euphorisch feierte ich via twitter den letzten Zugang in die Sammlung von Fotozubehör, hatte das liebe Christkind doch den übermittelten ebay-Link gedrückt und aus dem fernen China kommen lassen, was ich so gierig begehrte: einen Adapter, der mir ermöglichte, die Linsen meiner Pentax auto 110 an der Sony NEX zu nutzen. Spielkram sagt der eine, Tinnef schimpft der andere – ich sage: geiler Shice!

Zur Verhinderung eines stattlichen Weihnachtsbauches, so bedeutete man mir, wurde ich also rausgebeten in leicht erhöhte Hamburger Luftfeuchte und zog schließlich und natürlich freudestrahlend und erquickt herunter an die Elbe, wo ich die Kombination aus Puppenstubenweitwinkel und Allesfresser NEX zum Praxistest bat. Es funktioniert und es war auch ein wenig nasskalt.

The Dark Side

Nebenstraße

Erst neulich hatte ich versucht, mit Bildern aus dem Sommerurlaub für sonnige Stimmung zu sorgen, doch das klappte nicht einmal bei mir selbst. Es ist also an der Zeit, sich der trüben Dunkelheit entgegenzustellen und auch diesen Wochen und Monaten des Jahres Motive abzuringen. Diesen Schnappschuss empfand ich – etwas aus er Lethargie selbst befreit – als sehr passend, weil es dunkel ist und nass und am Ende, da leuchtet ein Licht.

Streetfotografie ist doch Egoshooting

Abwarten

“Fragwürdig es ist”, hätte der alte Yoda wohl gesagt und mit seinem kleinen Stöckchen gewedelt – und wie so oft hätte er richtig gelegen, wie ich nach meinem Streetfotografie-Egoshooting unumwunden einzugestehen habe. Ich bin der Versuchung erlegen, fast unerkannt mit einem Leica Teleobjektiv an der Sony NEX-3 Passanten zu “erlegen”. Ich drücke es mal so drastisch aus, weil es das ja auch ist.

Schauschau

Ein erhebenes Gefühl ist es dennoch, den Schuss richtig angebracht zu haben, die Person ist eingefangen und wird mir nicht mehr entkommen. So banal der Augenblick ist, so alltäglich die Szene, sie hat etwas von der oft erwarteten Geschichte, die ein Bild erzählt. Ich aber fühle mich nicht gut dabei, wenngleich es eine Authenzität hat, die man schwer erreicht, wenn der fotografierten Person die Anwesenheit des Fotografen klar ist.

So verlockend es ist, so Bilder einzufangen, die in der schnellen und flüchtigen Welt der Knipserei viel Applaus finden, so sehr geht es mir im Rückblick gegen den Strich, ich bin nach meinem derzeitigen Dafürhalten dafür nicht gemacht. Menschen auf Bildern von Straßen mag ich, aber … Ich gehe aber auch nicht über rote Ampeln, wenn Kinder dabei sind …

Nachtrag: Auf G+ wurde ich gewiss nicht zu Unrecht darauf hingewiesen, dass man man schon besonders unterscheiden sollte, dass die “klassische” Streetfotografie sich eher Brennweiten zwischen 35 und 50mm bedient.

Fujifilm Klasse S

Fujifilm Klasse S

Nein, es ist keine S-Klasse, keine Ikone der Fortbewegung, vermutlich nicht einmal eine Ikone der Fotografie, die Fujifilm Klasse S, aber ich begehrte sie und ich bekam sie. Ich brauchte die Kamera nicht, aber ich bin zufrieden, sie zu haben und Zufriedenheit ist ein hohes Gut, wie ich finde – das liegt dicht bei Gesundheit und ich war noch ganz bei Trost – wirklich! – als ich im DSLR-Forum einer neuwertigen Klasse S zum Schnapperpreis ansichtig wurde. Da ich mich gerade von einigen Kameras getrennt hatte, war ich auch hinreichend flüssig, also wurde das Geschäft angebahnt und abgeschlossen – zur beiderseitigen Zufriedenheit. Das muss dem kommenden Fest der Liebe geschuldet sein, verdammte Axt.

Was wird da also besungen? – Es ist eine Kleinbildkamera mit Blendenvorwahl, eine gerne sogenannte Point-and-shoot-Kamera mit einem recht lichtstarken 2.8/38mm Objektiv (weitere Spezifikationen auf der japanischen Webseite) und – was mich besonders reizte – den NATURA-Modus der, wie die Klasse-Serie, eigentlich nur in Japan erhältlichen NATURA CLASSICA. Hier arbeitet die Kamera mit sehr lichtempfindlichen Filmen ab ISO 800 nur mit dem verfügbaren Licht und verzichtet damit auf den Einsatz des Blitzes, was mir besonders zusagt. Nachdem ich zudem Freude an Dias gefunden habe, soll die Fujifilm auch in diesem Metier als Urlaubskamera ihren Dienst verrichten.

Da der erste Film noch nicht verschossen und ergo nicht entwickelt ist, verliere ich mich noch kurz in Schwärmereien über die einfache Bedienung, die handschmeichlerische Haptik und ein Gimmick, das mich immer wieder begeistert: man kann mit einem einfachen Drahtauslöser auslösen. Oldschool, Digga!

Die Hochzeitsfotografie und ich

Dat Engelschen

Ich könnte jetzt an einem Diaprojektor herumschrauben, einen Schritt zur Seite tun und feststellen, die Geschichte der Hochzeitsfotografie sei eine Geschichte voller Mißverständnisse, aber ich würde damit nur ein holpriges Plagiat fabrizieren und das will man ja nicht. Ich stelle den potentiellen Fotografen meiner eigenen Hochzeit nur auf eine schwere Probe, weil ich eigene Bildideen habe, doch das soll hier nicht Thema sein.

Eingespannt wurde ich, für den kommenden Mai, eine Hochzeit zu fotografieren, schließlich mache ich ja Fotos und habe so eine tolle Kamera. Fängt das immer so an? – Man hat eine tolle Kamera und darum wird man erhoben in den Olymp der Fähigen?

Leichte Verunsicherung macht sich da breit, aber dann sage ich mir, wer so erfrischend einfach argumentiert, hat vermutlich schon viel schlechtere Hochzeitsfotos gesehen, als ich sie zustande bekommen würde. Es gibt sie und sie werden bezahlt, aber man sollte nicht auf niedrigste Erwartungshaltungen bauen.

Letzte Woche fragte mich dann einer, dessen Verlobte selbst Fotografin ist, ob ich denn nicht ihre Hochzeit fotografieren könnte und wieder wand ich mich. Doch an diesem Wochenende hatte ich die Chance, herauszufinden, ob ich mir vorstellen könnte, es zu machen.

So ganz konnte ich nicht aus meiner Haut und machte wieder mehr den Beobachter als die fotografische Rampensau, die ich nicht bin und nicht sein möchte. Ich weiß also, wie ich meinen Stil umreissen könnte, wenn ein Pärchen fragt. Ich habe auch noch lebhaftere Bilder als jenes vorgestellte geschossen – u.a. alle Gäste per Instax Mini, aber a) bleiben die beiden so anonym und b) ist es mein Favorit: diese Stille kurz nach dem Jawort und Segen – ein Wimpernschlag, wahrgenommen aus einer Ecke der Kirche, unaufdringlich.

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